Margarete und Hermann Sommerfeld

Im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig ist ein vierseitiger verzweifelter Brief von Margarete Sommerfeld vom 27.11.1942 an die Reichskanzlei überliefert. Sie bittet darin inständig um die Rückgängigmachung ihrer Scheidung. Der Anlass des Briefes: Ihr geschiedener jüdischer Mann wurde am 08.10.1942 unter dem Verdacht der mit ihr ausgeübten sogenannten "Rassenschande" festgenommen.

Margarete Sommerfeld (geb. Mayer) wurde am 08.03.1902 in Leipzig geboren. Hermann Sommerfeld kam am 28.03.1897 in Chemnitz zur Welt. 1919 kam Herman Sommerfeld nach Leipzig. Er arbeitete als Prokurist und Kaufmann. Im Jahr 1923 heirateten Margarete und Herman Sommerfeld. Ihr gemeinsamer Sohn kam 1931 zur Welt. Nach den nationalsozialistischen Rassegesetzen stellte die Ehe eine sogenannte "Mischehe" dar und ihr Sohn war ein "Mischling 1. Grades". Nach der Pogromnacht im November 1938 gelang es Hermann Sommerfeld, zu Verwandten seiner Frau in die USA zu reisen. Am 11.06.1939 kehrte er jedoch, trotz der für Juden so gefährlichen Situation, wieder nach Deutschland zurück. Den bevorstehenden Krieg ahnend, wollte er wohl bei seiner Familie sein. Herman Sommerfeld musste seinen Reisepass abgeben und war damit nun in Deutschland gefangen.

Als Margarete Sommerfeld 1940 ihren Sohn an der Höheren Schule anmelden wollte, wurde ihm die Aufnahme aufgrund der sogenannten „Mischehe“ verweigert. Hermann Sommerfeld wollte der schulischen Entwicklung seines Sohnes aber nicht im Wege stehen. Am 23.10.1941 ließen sich die Eheleute Sommerfeld deshalb scheiden. Ihr Sohn durfte als sogenanntes "Mischlingskind" jedoch trotzdem nicht auf eine Höhere Schule gehen und noch dazu verlor Hermann Sommerfeld jeglichen Schutz, dem ihn seine Ehe noch bot. So musste er die gemeinsame Wohnung in der Schmidt-Rühl-Straße 5a verlassen und in eine andere Wohnung in der Fichtestraße 43 ziehen. Hermann Sommerfeld „besuchte“ nach dem Auszug jedoch jeden Tag seine Familie und das Paar verstand sich unverändert gut. Vermutlich hatte ein Nachbar das Paar angezeigt. Am 08.10.1942 wurde Herr Sommerfeld wegen „Rassenschande“ verhaftet. Margarete Sommerfeld versuchte nun mit dem eingangs erwähnten Brief ihren geschiedenen Mann zu retten:

"Liebe und Sorge um unser Kind haben uns Schritte tun lassen, die sich nun in anklagender Form gegen uns wenden, und besonders ich als Mutter werde wohl einmal von meinem Kinde die bittersten Vorwürfe darüber hören müssen. - Erst die Erfahrung hat mich gelehrt, dass der seelische Schaden, den mein Kind durch alles dies nimmt, weit größer ist, als der Nutzen, den ihm selbst eine höhere Schulbildung hätte geben können."

Hermann Sommerfeld wurde am 27.02.1943 wegen sogenannter "Rassenschande" vor dem Landgericht Leipzig zu 6 Monaten Haft verurteilt. Nach der Inhaftierung in Magdeburg erfolgte am 10.09.1943 seine Rückführung an die Leipziger Gestapo und im Oktober 1943 wurde er nach Auschwitz deportiert. Am 21.04.1944 wurde Hermann Sommerfeld dort im Alter von 47 Jahren ermordet.

Margarete Sommerfeld und ihr Sohn überlebten den Krieg. Sie verließen 1948 Leipzig und wanderten in die USA aus. Der Sohn starb dort 2010.

Recherchen und Paten: Familie Heil