Harri Arnold, Olaf und Wolfram Eder, Robert Hutterer, Martin Nagel, Harry Zanger

Zur wechselvollen Geschichte des Gebäudes "Haus der Demokratie Leipzig" gehört auch, dass von hier aus Kinder in die "Euthanasie"-Anstalten der Nationalsozialisten gebracht wurden. Das 1901 als Waisenhaus errichtete Gebäude in der damaligen Elisenstraße 152 war von 1929 bis zu seiner teilweisen Zerstörung 1943 ein städtisches Kinderheim. Nach bisherigen Recherchen wurden sechs der durch das Jugendamt Leipzig in Obhut genommenen Kinder in die sächsischen „Heil- und Pflegeanstalten“, in denen Patienten euthanasiert wurden, gebracht.

Harri Arnold wurde am 13.02.1928 in Leipzig-Gohlis geboren. Er litt als Kind an epileptischen Anfällen mit unklarer Ursache. Vom 30.04.1940 bis 12.03.1942 war er im anthroposophischen Kinderheim Haus Spitzner in Pirna-Bonnewitz. Nachdem das Heim von der Staatspolizei geschlossen wurde, kam Harri am 13.03.1942 ins Kinderheim in der damaligen Elisenstraße 152. Am 02.04.1942 überwies die Stadt den Jungen in die „Kinderfachabteilung“ der Landesheil- und Pflegeanstalt Leipzig-Dösen. Am 07.12.1943 folgte die Verlegung nach Großschweidnitz. Nach den schweren Luftangriffen am 04.12.1943 auf Leipzig wurde die „Kinderfachabteilung“ komplett nach Großschweidnitz verlegt. Dort kam Harri am 31.08.1944 im Alter von 16 Jahren ums Leben (angegebene Todesursache: Epilepsie).

Olaf Eder wurde am 07.06.1940 in Leipzig geboren. Am 12.09.1942 im Alter von 2½ Jahren kam Olaf ins Städtische Kinderheim. Im Februar 1943 wurde er in die Borsdorfer Anstalten der Inneren Mission eingewiesen und am 12.01.1944 in die Landesheil- und Pflegeanstalt Großschweidnitz verlegt. Am 18.02.1945 kam Olaf in Großschweidnitz mit 4 Jahren ums Leben (angegebene Todesursache: Kreislaufschwäche bei Bronchitis)

Wolfram Eder wurde am 07.06.1940 in Leipzig geboren. Er durchlief dieselben Heime und Anstalten wie sein Zwillingsbruder Olaf. Wolfram kam am 24.09.1944 mit 4 Jahren in Großschweidnitz ums Leben (angegebene Todesursache: Bronchopneumonie)

Robert Hutterer wurde am 13.08.1936 in Leipzig geboren. Am 18.08.1941, nur wenige Tage nach seinem fünften Geburtstag, wurde er vom Kinderheim in der Elisenstraße 152 in die „Kinderfachabteilung“ nach Leipzig-Dösen verlegt. Am 07.06.1943 kam Robert dort im Alter von 6 Jahren ums Leben (angegebene Todesursache: Schwachseinszustand, Grippe mit Beteiligung der Atmungsorgane).

Martin Nagel wurde am 30.03.1933 in Leipzig geboren. Am 16.05.1941, drei Tage nach dem Tod seiner Mutter, kam er in das Kinderheim in der Elisenstraße 152. Im Herbst 1941 wurde Martin in die "Kinderfachabteilung“ Leipzig-Dösen überwiesen. Am 07.12.1943 wurde er gemeinsam mit allen Kindern der „Kinderfachabteilung“ in die Landesheil- und Pflegeanstalt Großschweidnitz verlegt. Am 07.051945 entließ die Anstalt den 12-Jährigen, der anschließend mit einem Treck nach Böhmen ging. Im Herbst 1945 meldete das Deutsche Rote Kreuz seine Rückkehr. Damit verliert sich jedoch die Spur von Martin, der die "Euthanasie"-Verbrechen überlebte.

Harry Zanger wurde am 26.03.1936 in Leipzig geboren. Harry lebte ab dem 10.04.1940 in verschiedenen Kinderheimen, u. a. im Städtischen Kinderheim in der Elisenstraße 152. Am 17.02.1944 kam er in der Landesheil- und Pflegeanstalt Großschweidnitz. Dort kam Harry am 02.08.1944 mit 8 Jahren ums Leben (angegebene Todesursache: eitrige Bronchitis). Seine Mutter war bereits im Juli 1941 Opfer der "Euthanasie"-Verbrechen in Pirna-Sonnenstein geworden.

Recherchen: Petra Seyde

Quelle: Chronik : Haus der Demokratie - Geschichte der Immobilie 1901 - 2015, erschienen 2016