Gabriel und Leah Nathansen

Gabriel Nathansen wurde am 09.03.1879 in Halberstadt geboren. Im Jahr 1904 gründete er zusammen mit seinem Bruder Moses eine Immobilienfirma in Leipzig. Nach dem Ersten Weltkrieg war er außerdem der Geschäftsführer einer 1922 gegründeten Maschinenbaufirma.

Seine Frau Leah Nathansen (geb. Knoller) wurde am 19.03.1889 in Krefeld geboren. Seit 1911 wohnten die Eheleute in der Gustav-Adolf-Straße 19a. Beide engagierten sich in der jüdischen Gemeinde. Gabriel Nathansen als Gemeindevertreter der Israelitischen Religionsgemeinde, Leah Nathansen als Vorstandsmitglied des Israelitischen Kindergartens. Über die Kinder der beiden gibt es bisher keine Informationen.

1939 wurden die Eheleute zwangsweise in sogenannte "Judenhäuser" in der Nordstraße 15 umgesiedelt und wohnten dort nun auf engstem Raum.

Wie viele andere auch mussten sie einen „Heimeinkaufsvertrag“ für Theresienstadt abschließen. Den älteren Juden wurde lebenslang ihre kostenfreie Unterbringung, Verpflegung und Krankenversorgung zugesagt. Neben einer errechneten Vorauszahlung (150 RM bis zum Erreichen des 85. Lebensjahres) wurden weitere Abgaben, Spenden und Vermögensübertragungen gefordert. So verloren die Abschließenden ihr letztes, gerettetes Geld. Die Vermögenswerte fielen dem Reichssicherheitshauptamt (RSHA) zu.

Am 19.09.1942 wurden Leah und Gabriel Nathansen nach Theresienstadt deportiert. Gabriel Nathansen kam hier am 3. Mai 1944 im Altern von 65 Jahren ums Leben. Leah Nathansen wurde am 9. Oktober 1944 weiter nach Auschwitz deportiert und dort 55-jährig ermordet.

Quelle: Ellen Bertram: Menschen ohne Grabstein