Finanz Just Rose

Die Herkunft des Sinto Finanz Rose ist auf Grund fehlender Unterlagen nicht gänzlich zu klären. 1933 wurde behördlicherseits das Geburtsdatum und der Ort festgelegt: geboren am 30.10.1903 in Grassau. Er war Vater zweier Kinder und handelte unter anderem mit Damenpelzmänteln. Am 14. September 1933 wurde er bei einer gezielten Streife nach „Päderasten“ in der Schillerstraße aufgespürt und dem Polizeipräsidium zugeführt. Als Wohnort gab er die Waldstraße 69 an, wo er auf dem Garagenhof im Wohnwagen wohnte. Er gab zu, Männerbekanntschaften zu suchen, war aber bis dahin als Homosexueller nicht auffällig. Am 21. Oktober 1935 wurde er wegen „Anmache“ in Form von Onanie vom Tischler Erich Rohrlapper angezeigt. Finanz Rose gab die Anschuldigung ohne weiteres zu, der junge Tischler hätte ihm gefallen.

Am 27. Mai 1936 kam es dann zu einem Ereignis, das die Verlegung des Stolpersteins vor das Leipziger Stadthaus erklärt. In einer Aktennotiz ist sein relativ mutiges, wenn auch rein persönlich motiviertes Verhalten überliefert.

»1. Polizeirevier

Leipzig, 28.5.36.

Betrifft: Verstoß gegen das Reichsgesetz vom 20.12.34. [‚Heimtückegesetz’]

Als ich am 27.5.36, gegen 11.50 Uhr, im Stadthause, Eingang Burgplatz, Postdienst versah, verließ der später festgestellte Zigeuner Finanz Rose, der seinen 2-jährigen Sohn auf dem Arme trug, das Gebäude unter anhaltendem Schimpfen. Auf dem Fußwege vor dem Stadthause blieb Rose stehen und setzte seine Schimpfreden fort. Von den getanen Äußerungen des R., die dieser laut aussprach, habe ich folgende sinngemäß verstanden:
‚Man bewilligt mir keine Unterstützung, obwohl ich eine sterbenskranke Frau zu Hause liegen habe, die von 4 Ärzten behandelt werden muß. Es wird mir zugemutet, mit dem schlafenden Kinde auf dem Arm nach der Frankfurter Straße zu gehen. Von dem Dritten Reiche habe ich noch nichts Gutes gesehen. Ich bin als Zigeuner ein Mensch von gleichem Fleisch und Blut, werde aber anders behandelt. Wenn wieder ein Krieg losgeht, so bleibe ich hier, ich werde nicht mit hinausgehen und für das Vaterland einsetzen.’«

Rose wurde 1936 zu 6 Monaten Haft wegen „Sittenvergehens“ verurteilt. Es gelang ihm zu fliehen und unterzutauchen. Am 13. April 1937 wurde die Fahndung nach ihm ausgeschrieben. Er nannte sich jetzt Bango Weihrauch. Die Mutter des verstorbenen echten Bango Weihrauch hatte ihm dessen Papiere gegeben. Unterschlupf wurde ihm von anderen Angehörigen seiner Volksgruppe gewährt. Es kam zu mehreren Razzien in so genannten „Zigeunerlagern“ und es wurde versucht, andere Roma zum Verrat anzustiften. Finanz Rose wurde quer durch das deutsche Reichsgebiet gejagt und in Breslau, Berlin und Köln gesucht. Am 14. Februar 1940 spürte man ihn in einer Hamburger Wohnung auf. Man brachte ihn in die Vollzugsanstalt Zwickau, in der er bis zum 27. Mai 1941 inhaftiert blieb und am 25. Juni 1941 in das Konzentrationslager Buchenwald überführt wurde. Am 15. September 1941 wurde der damals 38-jährige Finanz Rose „auf der Flucht erschossen“.
Die Mutter seiner beiden Kinder war bereits gestorben. Was mit den Kindern geschehen ist, bleibt unklar.

 

Recherchen: Kerstin Kollecker im Auftrag der Stadt Leipzig, Referat für Gleichstellung für Frau und Mann