Lea Obst

Lea Obst wurde am 2.9.1903 als Kind des jüdischen Hausierers Israel Obst und seiner Frau geb. Schwarz in Ichenhausen/Bayern geboren. Die Eltern waren dort nicht ansässig, und die Geburt fand im Armenhaus statt. Die Familie stammte aus dem österreichischen Kronland Galizien (nach 1918 „Russisch-Polen“).

Über die Kindheit und Jugend von Lea Obst ist bisher nichts bekannt. Am 6.7.1924 wird ihr in Frankfurt a.M. ein Personalausweis und am 21.10.1926 vom polnischen Konsulat in Leipzig ein Reisepass ausgefertigt. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie sich als Haushaltshilfe, sog. “Stütze“. Ihre Anwesenheit in Leipzig lässt sich ab 16.11.1925 fast lückenlos nachweisen. Bis zu ihrer Einweisung in das sogenannte „Judenhaus“ Alexanderstraße 46 am 1.5.1941 sind nicht weniger als 17 Adressen polizeilich aufgelistet worden. Vom 7.10.1930 bis zum 31.1.1933 war sie in “Stellung“ bei den Thiemes am Neustädter Markt 7/I.

Als Hitler am 30.1.1933 die Macht ergriff, war Lea Obst im siebenten Monat schwanger. Sie hatte den Obsthändler Alwin Wüllner aus Leipzig –Lindenau kennen– und liebengelernt. Am 14.4.1933 kam Gitta Lore Obst in der Universitäts-Frauenklinik zur Welt. Nun war es als Hausangestellte mit einem Säugling schwer, eine Anstellung zu finden. Mit dem Ehepaar Eugenie und Walter Körner (SPD) fand Lea Obst ab dem 1.8.1933 eine sichere Bleibe und gute Pflegeeltern für ihr Baby.

Auf Grund der flächendeckenden Erfassung der jüdischen Bevölkerung mussten ab 1938 auch alle jüdischen Kinder bei ihren Müttern leben. Gitta kam wieder zu ihrer Mutter. Im Zuge der „Polenaktion“ wurden die beiden im Oktober 1938 abgeschoben.

Lea und Gitta Obst kamen nach Leipzig zurück. Auf die spärlichen mit einem „J“ gekennzeichneten Lebensmittelkarten angewiesen, muss Lea Obst jede neue Adresse angeben, zeitweilig finden die beiden Unterkunft und Nachtasyl bei jüdischen Bekannten. Bei der Suche nach einem Quartier wurden sie im Februar 1940 mit dem angeblichen Versuch des Erwerbs doppelter Lebensmittelkarten bei der Polizei denunziert.

Die Tochter schreibt in ihrem Lebenslauf:

„1938 – 40 … wurde ich auf Anordnung der NSDAP meiner Mutter übergeben. Als Nichtarierin konnte diese mit mir nirgends ein Unterkommen finden, sodass wir keine feste Wohnung hatten. Den unermüdlichen Bemühungen meiner Pflegeeltern ist es zu verdanken, dass ich ab 1940 wieder in ihre Obhut kam...“ Gitta Obst hat dank dieser Zivilcourage überlebt.

 

Am 1.5.1941 wurde Lea Obst in ein sogenanntes „Judenhaus“ in der Alexanderstraße 46 eingewiesen und als Zwangsarbeiterin/Büglerin bei der Firma Luckner, Färberei und chemische Reinigung Leipzig-Wahren, eingestellt. Hier fiel sie wieder einer – diesmal tödlichen – Denunziation zum Opfer. Wegen angeblicher “Aufforderung zur Arbeitsbummelei“ wurde sie aus dem Betrieb heraus verhaftet und vom Polizeigefängnis aus, wo sie seit dem 6.9.1941 einsaß, am 16.10.1941 nach Ravensbrück deportiert. Danach wurde Lea Obst (38 Jahre)  in die Tötungsanstalt Bernburg/Sachsen-Anhalt überführt und am 5.5.1942 ermordet.

 

 

Quelle: Hansgeorg Löhr