Georg Jacob Sieskind

Jakob (auch: Jacob) Sieskind wurde als jüngstes Kind und einziger Sohn von Sieskind Sieskind und Marie Sieskind, geb. Laskau, am 12.11.1872 in Leipzig geboren. Seine älteren Geschwister waren Amalie (verh. Schreiber) und Elsbeth (verh. Maas) Sieskind. Etwa 4 Monate vor seiner Geburt war die Familie von Ballenstedt (Harz) nach Leipzig gezogen und wohnte bis September 1892 im Haus Humboldtstraße 17 (seit 1885 Humboldtstraße 3). Im Jahr 1892 nahm Jakob Sieskind ein Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Leipzig auf, welches noch im gleichen Jahr unterbrochen und 1894/1895 fortgesetzt wurde. Im Oktober 1892 bezog die Familie die fertiggestellte Villa Wächterstraße 15, in der Jakob Sieskind bis Oktober 1895 wohnte. Von Oktober 1895 bis September 1896 leistete er in Bockenheim bei Frankfurt/Main einen einjährigen Militärdienst ab, nach dessen Ende er nach Leipzig in die elterliche Villa zurückkehrte. Von 1899 bis 1905 war er als Prokurist in der Firma des Vaters beschäftigt. 1872 war Sieskind Sieskind Mitinhaber des 1815 gegründeten und seit 1852 in Leipzig ansässigen Bankhauses H. C. Plaut in Leipzig geworden. Später wurde das Unternehmen von ihm, seinem Schwiegersohn Georg Schreiber bzw. dessen Söhnen und Jakob Sieskind geführt.

Am 08.07.1905 wurde in München standesamtlich die Ehe zwischen Jakob Sieskind und Elise Agnes Pohl geschlossen. Von Juli 1905 bis Anfang Dezember 1911 sind die Wohnorte des Ehepaares Sieskind bisher nicht bekannt. Es ist anzunehmen, dass beide in dieser Zeit in München und Berlin lebten. Von Ende Dezember 1911 bis März 1914 wohnte Jakob Sieskind im Haus Wiesenstraße 11 (heute: Gustav-Mahler-Straße), von März 1914 bis Oktober 1921 im Haus Salomonstraße 27. Über eine Teilnahme Jakob Sieskinds am Ersten Weltkrieg ist bisher nichts bekannt, erwähnt wird jedoch ein Kriegsverdienstkreuz. Von 1913 bis 1933 war er Mitinhaber des Bankhauses H. C. Plaut. Im Oktober 1921 zog das Ehepaar Sieskind in die Villa Wächterstraße 15, in der auch Jakob Sieskinds Vater lebte. Seine Mutter war bereits 1908 verstorben, der Vater, Sieskind Sieskind, starb 1925. Der unter Zwang der zuständigen Behörden angeordnete Umzug Jakob und Elise Sieskinds erfolgte im August 1940. Kurze Zeit später, ab 1941, befanden sich Grundstück und Wohngebäude im Besitz der Stadt Leipzig. Zunächst wohnten beide bis November 1942 im Haus Humboldtstraße 21. Am 11.11.1942 wurde Jakob Sieskind wegen „Vergehens gegen die Kriegswirtschaftsordnung“ verhaftet. Diese Verhaftung stand in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Untertauchen der Familie Leopold, Nachbarn der Sieskinds in der Humboldtstraße. Für eine kurze Zeit, wahrscheinlich November-Dezember 1942, war Jakob Sieskind in der Gustav-Adolf-Straße 7 untergebracht. Am 23.12.1942 wurde er nach Auschwitz deportiert. Infolge einer Infektion, die er sich durch ein ihm zwangsweise beigebrachtes medizinisches Experiment zuzog, starb Jakob Sieskind am 11.01.1943 in einem der Konzentrationslager Auschwitz´. Elise Sieskind, Jakob Sieskind Ehefrau, lebte nach 1945 weiterhin in Leipzig.

Jakob Sieskind war 69 Jahre.

 

Quelle: Josefine Reitter