Georg Jacob Lilienthal

Georg Jacob Lilienthal wurde am 14. Januar 1897 in Leipzig-Plagwitz als Sohn des jüdischen Kaufmanns Jacob Lilienthal und seiner nichtjüdischen Ehefrau Anna Lilienthal, geb. Kannitzky, geboren. Er wurde getauft und verfügte insofern über ein evangelisch-lutherisches Glaubensbekenntnis. Sein Vater verstarb früh im Alter von nur 40 Jahren am 13. Oktober 1896.

Georg Lilienthal absolvierte nach seinem Schulabschluss eine Lehre im Bankfach. Er diente im I. Weltkrieg. Ab 1936 arbeitete er als Handelsvertreter bzw. Handelsmakler mit Inkassovollmacht u.a. für die Leipziger Fa. Rau & Hempel für verschiedene Industrie- und Lebensmittelprodukte.

In der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurde Georg Lilienthal als „Halbjude" mit einem Heiratsverbot mit seiner „arischen" Verlobten belegt.

Georg Lilienthal wohnte zunächst möbliert in der Langen Straße 35, damals Leipzig C 1. Beim Bombenangriff auf Leipzig vom 03./04. Dezember 1943 wurde seine Wohnung zerstört. Die Familie seines Schwagers und seiner Halbschwester Eva nahm ihn in ihrer Wohnung in der damaligen Helfferichstraße 51 b, heute Käthe-Kollwitz-Straße 109, auf.

Am 1. August 1944 erhielt er vom Arbeitsamt Leipzig „bis auf weiteres“ eine Verpflichtung zur Zwangsarbeit als „Sonder-Dienstverpflichteter“ bei der nationalsozialistischen „Organisation Todt“ in Osterode im Harz. In Osterode musste er trotz seiner langjährigen schweren Magenkrankheit Zwangsarbeit als „OT-Hilfsarbeiter“ im Steinbruch

der Fa. Stöhr leisten.

Das Lager der „Organisation Todt" Osterode im Harz war ein so genanntes Schwerhaftlager, in das u.a. Menschen aus der Stadt Leipzig deportiert wurden, die von den Nazis angesichts jüdischer Vorfahren als „Mischlinge“ eingestuft worden waren.

Von der Poststelle der „Organisation Todt" überwacht, verlieh Georg Lilienthal in einem Brief an seine Leipziger Verwandten am 18. Dezember 1944 seiner Hoffnung Ausdruck, dass das Weihnachtsfest 1944 das letzte Weihnachtsfest im Krieg sein möge.

Bei einem Besuch in Osterode, bei dem nur ein kurzes Gespräch am Lagerzaun gestattet war, fand ihn seine Halbschwester Eva bereits schwer erkrankt vor. Als „Simulant“ beschimpft, wurde Georg Lilienthal schließlich in das Krankenhaus in Osterode eingeliefert, wo er am 5. Februar 1945 starb. Seiner Halbschwester wurde die erforderliche Reiseerlaubnis zur Bestattung verweigert.

Georg Lilienthal war 48 Jahre alt.

 

Quelle: Ines und Dr. Günter Schmidt