Familie Laubinger

Karl Laubinger wurde am 9.9.1885 in Delitzsch geboren, Anna Hedwig Laubinger am 28.11.1890 im Kreis Wittichenau. Beide waren Sinti und nach ihrer Tradition schon einige Jahre verheiratet, als sie am 16.10.1933 auch nach deutschem Recht die Ehe schlossen. Die Mitglieder der Sintifamilie Laubinger waren deutsche Staatsbürger römisch katholischen Glaubens, dennoch wurden sie aus rassistischen Gründen verfolgt. Offizielle Gründe waren „asoziale Lebensführung“, „Schutzhaft“ oder „Arbeitsscheu“. Der Beruf von Karl Laubinger wurde in den Polizeiakten mit Artist bzw. Händler angegeben.

Die Familie lebte lange Zeit in einem Wohnwagen und reiste umher, um Waren anzubieten oder als Artisten zu arbeiten. Von den Nationalsozialisten wurden sie jedoch gezwungen, sich niederzulassen. Das Ehepaar Laubinger wohnte in verschiedenen Wohnungen und lebte zuletzt gemeinsam mit ihren sieben Kindern und zeitweise auch mit ihren Enkelkindern im Naundörfchen 8.

1938 wurde Karl Laubinger in das KZ Sachsenhausen deportiert und nach einem Monat wieder entlassen. Wenige Monate später, im Oktober 1938, wurde er erneut ins KZ Sachsenhausen gebracht. Dort starb er am 19.4.1940. Als offizielle Todesursache gab man Lungenentzündung an.

Nachdem ihr Ehemann festgenommen worden war, bestritt Anna Laubinger zusammen mit ihren Töchtern ihren Unterhalt mit Kurzwarengeschäften. Sie wurde ab 1939 mehrfach verhaftet und im April 1940 ins Konzentrationslager Ravensbrück gebracht. Von dort aus wurde sie im September 1944 nach Schlieben (Buchenwald) überstellt, weiter nach Altenburg und Taucha, wo sie für die HASAG arbeiten musste. Im März 1945 wurde sie ins KZ Bergen Belsen gebracht, wo sie kurze Zeit später von einer Freundin tot gesehen wurde.

Alle sieben Kinder und fünf Enkelkinder kamen in verschiedene Konzentrationslager. Fast alle wurden ermordet bzw. starben im KZ.

Am Ranstädter Steinweg zwischen der Hausnummer 13 und 15 (im Durchgang zum Naundörfchen) liegen 14 Stolpersteine, die an die Familie erinnern. Neben den für die Eheleute Karl und Anna auch die für deren Kinder und Enkel.

 

Kinder:

Wilhelm Heinrich Laubinger, 27 Jahre

Ludwig Laubinger, 25 Jahre

Anna Laubinger, 22 Jahre

Willy Laubinger, 18 Jahre

Artur Laubinger, 15 Jahre

Vio Laubinger, Jg. 1912 – befreit, überlebt

Fichta Laubinger, Jg. 1912 - befreit, überlebt

 

Enkelkinder:

Manfred Petermann, 8 Jahre

Sonja Erika Petermann, 11 Jahre

Peter Laubinger, 5 Jahre

Erika Laubinger, 3 Jahre

Monika Laubinger, 1½ Jahre

 

Recherchen: Evangelische Jugend

Weitere Paten: Erich Zeigner Haus e.V., Sabine von Schorlemer