Jakob, Paula und Manfred Buchaster

Diesen Stolpersteinen geht eine jahrelange Spurensuche von Sandy Speier-Klein aus New York nach ihrem Halbbruder Manfred Buchaster voraus. Die gemeinsame Mutter Paula Buchaster, geb. Falek am 26.07.1912 in Dresden, wurde mit ihrem ersten Mann Jakob Buchaster, geb. am 13.10.1907 in Leipzig, nach Auschwitz deportiert. Paula Buchaster überlebte das Massenmorden in Bergen-Belsen und wanderte in die USA aus, wo sie eine neue Familie gründete. Sie heiratete Hermann Speier aus Guxhagen bei Kassel, einen Shoa-Überlebenden, der im Dezember 1941 von Kassel aus in das Ghetto Riga deportiert wurde.

Das Ehepaar Buchaster heiratete am 06.11.1936. Seit dem Sommer 1937 wohnten sie in der Humboldtstr. 9 in der dritten Etage. Am 19.09.1938 kam ihr Sohn Manfred zur Welt. Die junge Familie erhielt keine Ausreisepapiere für die USA, so dass sie am 13.07.1939 nach Italien floh. Zunächst lebten sie in einem süditalienischen Flüchtlingslager in Ferramonte unter schwierigsten Bedingungen. Später gingen sie nach Norditalien (Costa di Rovigo). Kurz vor ihrer Verhaftung am 30.11.1943 gelang es den Eheleuten ihren kleinen Sohn bei der italienischen Familie Giuriola unterzubringen. Der Sohn Lino Giuriola, der Manfred noch persönlich kannte, lebt heute noch in Costa di Rovigo und ist ein wichtiger Zeitzeuge vor Ort.

Paula und Jakob Buchaster wurden am 26.06.1944 nach Auschwitz deportiert. Während Paula von Auschwitz weiter nach Bergen-Belsen transportiert und am 15.04.1945 befreit wurde, kam ihr Mann in das Männerlager Birkenau. Das letzte erhaltene Dokument über Jakob Buchaster (37 Jahre) stammt vom 29.09.1944. Er musste in Auschwitz u.a. in der Lehmgrube arbeiten.

Obwohl es einen Hinweis gibt, dass Manfred im Dezember 1943 in Auschwitz ums Leben gekommen sein soll, haben weitreichende Recherchen von Sandy Speier-Klein mit Unterstützung von Hans-Peter Klein aus Hessen ergeben, dass Manfred zu diesem Zeitpunkt auf jeden Fall in Italien lebte. Zeitzeugen berichteten, dass Manfred bis zum Juli 1944 Schutz in Costa di Rovigo bei der Familie Giuriola gefunden hatte. Als die SS ihn geholt hatte, war er 5 Jahre alt. Danach verliert sich jede Spur.

Im Oktober 2006 wurde die Stadtbücherei von Costa di Rovigo zum Gedenken an Manfred Buchaster nach ihm benannt.

Recherche: Sandy Speier-Klein, Hans-Peter Klein