Daniel David, Hilde und Inge Katzmann, Rosa Rothschild

Daniel David Katzmann wurde am 23.4.1895 in Flieden bei Fulda als Sohn einer jüdischen Handelsfamilie geboren. Daniel David Katzmann besuchte ein Gymnasium und anschließend ein Lehrerseminar in Preußen. Im Ersten Weltkrieg diente er als Frontsoldat. Im Jahre 1930 heiratete er

Hilde Rothschild, die am 25.3.1906 als Tochter von Rosa Rothschild geboren wurde. Daniel und Hilde Katzmann zogen 1930 ins erzgebirgische Annaberg, wo Katzmann als Kantor und Religions- und Turnlehrer der kleinen Israelitischen Religionsgemeinde arbeitete. Am 16.5.1933 kam dort ihre Tochter Inge zur Welt.

Da nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten mit den beginnenden Judenverfolgungen die

Existenzbedingungen in Annaberg zunehmend schwieriger wurden, suchte Katzmann nach einer neuen Anstellung. Aufgrund der NS Gesetzgebung war dies nur noch an jüdischen Schulen möglich und die Familie ging 1934 nach Leipzig. Hier gab es die Höhere Israelitische

Schule, die 1935 offiziell nach ihrem Gründer in Ephraim-Carlebach-Schule umbenannt wurde. 1934 war Katzmann an der jüdischen Volksschule angestellt und ab dem 2.10.1936 auch als Turnlehrer an der jüdischen Real-/Oberschule. Zusammen mit der Mutter von Hilde Katzmann, Rosa Rothschild, wohnte die Familie zuerst in der Gneisenaustraße 7. Ab Dezember 1936 war

Katzmann als Mitglied in der Ortsgruppe des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten tätig und engagierte sich als Vorstandsmitglied im jüdischen Sportverein „Schild“.

Nach der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde Daniel David Katzmann im Rahmen einer „Sonderaktion“ am 11.11.1938 verhaftet und ins Konzentrationslager nach Buchenwald verschleppt. Nach seiner Entlassung aus dem Lager am 1.12.1938 versuchte Katzmann verzweifelt mit seiner Familie aus Deutschland zu fliehen. Er stellte Anträge bei der amerikanischen und bolivischen Botschaft für Australien, wo bereits Familienangehörige lebten, und auch für Palästina. Die Einreisegenehmigungen sind nie eingetroffen. Im September 1939 wurde Daniel David Katzmann dann vom Israelitischen Schulverein zum Hauptlehrer und (letzten) Direktor der Jüdischen Volksschule ernannt. Die Schule wurde anfangs teilweise, später dann komplett zum „Judenhaus“, in dem 206 Menschen lebten. Als Schulleiter wohnte Daniel David Katzmann zusammen mit seiner Familie und seiner Schwiegermutter ebenfalls in der Schule, in der Humboldtstraße 9. 1940 wurde Inge in die jüdische Volksschule eingeschult. Ab September 1941 musste sie einen Judenstern tragen. Nachdem am 30. Juni 1942 das Reichserziehungsministerium die Auflösung aller jüdischen Schulen vorschrieb, war die Familie nicht mehr geschützt. Am 19.9.1942 wurde die Familie und Rosa Rothschild vom Leipziger Güterbahnhof in Engelsdorf nach Theresienstadt deportiert.

Inge Katzmann stand als Nummer 212 auf der Deportationsliste. In Theresienstadt mussten Daniel

und Hilde Katzmann Zwangsarbeit leisten. Am 29.1.1943 wurde Daniel David (47 Jahre), Hilde (36 Jahre) und Inge (9 Jahre) nach Auschwitz deportiert. Dort verliert sich die Spur der gesamten Familie.

Rosa Rothschild (65 Jahre) kam am 16.2.1945 in Theresienstadt ums Leben.

 

Quelle: Reclamgymnasium