Martin Kober

Martin Kober wurde am 12.3.1890 in Jaratschewo (Provinz Posen) geboren. Er war das dritte von fünf Kindern des Kaufmanns Josef Kober und seiner Frau Evelyne, geb. Fürst.

Martin Kober hatte ein Schneidergeschäft. Er selbst war nicht Schneider, hatte aber einen gelernten Schneider als Angestellten. Nach der Pogromnacht wollte dieser nicht mehr für ihn arbeiten und das Geschäft musste geschlossen werden.

Herr Kober floh einige Zeit später in die Schweiz und lebte in Zürich. Dann wurde er von den Schweizern festgenommen und nach Frankreich ausgewiesen. Hier kam er in das Internierungslager Gurs in den Pyrenäen. Von da kam er zunächst in das Lager Les Milles und am 13.8.1942 in das Lager Drancy. Am 17.8.1942 deportierte man ihn nach Auschwitz. Der Transport ging über Leipzig und es gelang ihm, aus dem Waggon einen Brief zu werfen, der an seine Nichte Käthe Leibel gerichtet war – mit der Adresse des so genannten „Judenhauses“ in der Fleischergasse.

Frau Leibel überlebte den Holocaust mit ihrem damals 2-jährigen Sohn Jochen, da Johanna Landgraf und der Dominikanerpater Aurelius Arkenau 1943 ein Versteck für beide organisierten. Das Kriegsende erlebten sie in Halle.

An Einzelheiten kann sich Frau Leibel nicht mehr erinnern, wie ihr Sohn Jochen Leibel berichtet. Sie weiß nur noch, dass Martin Kober auf den Umschlag geschrieben hatte: „Bitte dass ein gütiger  Mensch diesen Brief weiterleitet. Ich habe keine Briefmarke!!!“ Dieser Brief ist tatsächlich angekommen. Frau Leibel hat ihn jedoch aus Sicherheitsgründen sofort vernichtet. Über den Inhalt kann sie sich nur noch an einen Satz erinnern: „Es ist wohl für mich nun endgültig zu Ende.“

Martin Kober war 52 Jahre, als er 1942 in Auschwitz ermordet wurde.