Jacob Meir Schall

Jakob Meir Schall wurde am 19. Oktober 1877 in Leipzig geboren. Nach einer Lehre war er als Handlungsreisender unterwegs. Er war ein sehr engagierter und lebensfroher junger Mann mit sehr guter Kommunikationsfähigkeit. Sein erklärtes Ziel war es, einmal eine eigene Firma zu gründen. Vor 1920 kaufte er in Thüringen eine kleine Firma, die Gesundheitspflegemittel herstellte. Ein Teil der Belegschaft wechselte mit nach Leipzig, als Jakob Meir Schall den Firmensitz nach hier hin verlegte. Er gab seinen Mitarbeitern eine finanzielle Starthilfe in der neuen Stadt und die Firma konnte sich etablieren. Jakob Meir Schall unterstützte verschiedene Sportvereine und legte viel Wert auf die Integration in das Leipziger Stadtleben. Er fühlte sich in erster Linie als Leipziger und nannte sich selbst gern Max Mayer Schall.

Jakob Meir Schall war verheiratet und hatte drei Kinder. Nachdem die finanzielle Lage der Familie sich stabilisiert hatte, zog sie aus dem Gebiet der Großen Synagoge in der Gottschedstraße in die Südvorstadt. In den 20er Jahren übernahm Jakob Meir Schall Anteile an der Kölner Süßwarenfirma Adolf Rost und etablierte eine mitteldeutsche Niederlassung. Seine Partner nötigten ihn aber schon vor 1933, seine Anteile wieder zu verkaufen.

Nach der Machtergreifung der Nazis und den immer stärkeren Anfeindungen überlegte die Familie, nach England zu gehen. Doch die Einbindung in das Leipziger Leben täuschte noch ein ganzes Stück Sicherheit vor. Der größte Einschnitt für Jakob Meir Schall, so erzählt seine Enkelin, war das Tragen des Judensterns ab 1941. Ein Mann, vermutlich aus der Nachbarschaft, bespuckte ihn auf offener Straße und zeigte ihn bei der Gestapo an. Am 14. Januar 1942 wurde Jakob Meir Schall verhaftet. Nach über einem Monat Haft in der Wächterstrasse wurde er am 27.2.1942 nach Sachsenhausen verschleppt und von dort im Alter von 63 Jahren nach Auschwitz deportiert.

Die 1948 geborene Enkelin lernte ihren Großvater im Gegensatz zu ihrer 17 Jahre älteren Cousine nie kennen: „Ich war sauer auf meinen Großvater, dass er mit meiner Cousine Kahnfahren ging, dass er ihr eine Kette geschenkt hatte. Und ich, das kleine Mädchen, durfte hier ständig warten, dass der Mann kommt.“