Margarete und Eva Beyer

Margarete Herta Beyer wurde am 15.02.1914 als uneheliches Kind der Anna Johanna Koch und des russisch-jüdischen Dekorateurs Adolf Pintschuk in Leipzig geboren. Im Alter von 5 Jahren kam sie als Ziehkind zu den Eheleuten Reinhard und Lina Beyer, ansässig in der Hardenbergstraße 39, die sie 1921 adoptierten. Nach dem Schulabschluss führte sie den Beruf einer Stenotypistin und Telefonistin aus.

Am 19.10.1937 wurde ihre Tochter Eva geboren. Sie stammte ebenfalls aus einer unehelichen Verbindung. Ob es sich beim Vater um den späteren Verlobten, den Kaufmann (geboren 1885 in Wolodowa/Russland) handelt, der 1939 nach London emigrierte, ist eher unwahrscheinlich. Eher war Simon Olomutzky ein guter Mensch, der ihr mit dieser Scheinverbindung das Leben retten wollte.

1938 trat Margarete Beyer der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Leipzig bei, die sie 1941 wieder verließ. Ihre Adoption wurde 1939 aufgehoben und sie lebte danach zunächst in den sogenannten „Judenhäusern“ in der Funkenburgstraße 15 und 23, seit 3. Januar 1942 in der Alexanderstraße 46. Die Bemühungen ihres „Verlobten“ eine gemeinsame Einreise nach Palästina zu erhalten, schlugen fehl, ebenso die Bemühungen mit ihrem leiblichen Vater, der seit 1914 in den USA ansässig war, in Verbindung zu treten.

Laut dem Fragebogen der „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ befand sich Eva Beyer 1940 in einem Kinderheim in Breslau. Wahrscheinlich hatte Margarete niemanden für ihr Kind und musste es deswegen weggeben. Es gibt Beispiele aus dem Leipziger Kinderheim, dass Kinder zu ihren Eltern zurückkehrten, um mit ihnen auszuwandern bzw. "auf Transport zum Arbeitseinsatz", wie die ersten Deportationen bemäntelt wurden, zu gehen.

Am 21.Januar 1942 wurde Margarete Beyer (27 Jahre) gemeinsam mit ihrer Tochter Eva (4 Jahre) von der Gestapo abgeholt und nach Riga deportiert. Vom November 1941 bis zum Winter 1942 wurden aus Deutschland in etwa 28 Transporten mehr als 25 000 jüdische Männer, Frauen und Kinder unter dem Vorwand des „Arbeitseinsatzes“ in erster Linie nach Riga deportiert. In dem strengen Winter 1941/42 mussten die Menschen in ungeheizten Güterwagen fahren, was zu zahlreichen Erfrierungen führte.

Nach der Auflösung des Ghettos in Riga wurden Margarete Beyer (29 Jahre) und ihre Tochter Eva (6 Jahre) am 5.11.1943 nach Auschwitz deportiert.