Victor Armhaus

Victor Armhaus wurde am 13.10.1859 in Dubiecko, im damaligen Galizien, in einem jüdischen Elternhaus geboren. Sein Vater, Martin Armhaus, war praktischer Arzt in Brzozow in Galizien. Seine Mutter Rosa war die Tochter des Gutspächters Nathan Schwarz in Mirocin.

Victor Armhaus hatte zwei Schwestern und einen Bruder.

Nach der Übersiedlung in die Messe- und Handelsstadt Leipzig begann Victor Armhaus zunächst, Medizin zu studieren. Er wechselte jedoch bald wegen seiner einzigartigen Sprachbegabung zur Sprachwissenschaft über. Im Jahr 1889 eröffnete er in der Turnerstraße 25 ein Übersetzungsbüro. Er war verpflichteter Dolmetscher bei den Leipziger Gerichten für 23 Sprachen. Seit April 1899 befanden sich das Büro und seine Wohnung in der Emilienstraße 28. Seit dem Tod ihres Mannes lebte Victor Armhaus´ Mutter bei ihrem Sohn in Leipzig. In seiner Wohnung starb sie 1907 im Alter von 78 Jahren.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten verlor Victor Armhaus seine Beschäftigung bei den Leipziger Gerichten. Gemäß der offiziellen Verlautbarung in der Mitteldeutschen Handelsrundschau vom Mai 1934 wurde Victor Armhaus im gerichtlichen Sachverständigenverzeichnis als Dolmetscher und Übersetzer gestrichen. Kurz zuvor war der rüstige 74-jährige nach den Erinnerungen seines Neffen Martin Einschlag noch als Dolmetscher im Reichstagsbrand-Prozess tätig gewesen.

Mit Beginn der Auswanderung seiner Glaubensgenossen hatte er zahllose Dokumente, insbesondere aus der polnischen Sprache, zur Vorlage bei Behörden zu übersetzen. Dadurch erleichterte er vielen Verfolgten die rechtzeitige Auswanderung.

1936 zog er zu seinen beiden unverheirateten Nichten Wanda und Hedwig in die Promenadenstr. 33 am Westplatz. Nachdem in der berüchtigten Polenaktion am 28.10.1938 seine beiden Nichten, wie auch deren Bruder, der Maler Eduard Einschlag, mit seiner Frau ins Niemandsland zur polnischen Grenze deportiert worden waren, blieb Victor Armhaus schon fast 80-jährig vollkommen allein in Leipzig zurück.

Sein weiteres Schicksal ist untrennbar mit dem seiner Glaubensgenossen verbunden. Er musste in ein kleines Zimmer im Hinterhaus des Ariowitsch-Altersheimes in der damaligen Auenstraße (heute: Hinrichsenstraße) ziehen. Das bedeutete auch den Verlust seiner einmalig wertvollen und umfangreichen sprachwissenschaftlichen Bibliothek.

Als am 19.9.1942 ein weiterer Transport von Leipzig nach Theresienstadt ging, war auch der 83-jährige unter den Deportierten.

Nach den Erzählungen einer Überlebenden über seine letzten Lebenstage hat Victor Armhaus auch unter den barbarischen Lebensbedingungen in Theresienstadt bis zum Schluss nicht seine geistreiche, kluge Art verloren. Victor Armhaus schlief am 7.11.1942 „ganz ruhig“ ein, berichtete Frau Morgenstern nach ihrer Rückkehr in Leipzig.

(Quelle: Hubert Lang)