Martha, Max und Annemarie Kralovitz

Max Kralovitz, am 12. August 1891 in Konstantinopel geboren, kam 1919 nach Leipzig und arbeitete als Kaufmann. Hier lernte er die am 5. Januar 1889 in Leipzig geborene Martha Burgheim kennen. Beide heirateten 1920 und am 8. August 1922 kam Tochter Annemarie und am 15. Juni 1925 Sohn Rolf zur Welt. Die Familie hatte aufgrund der Herkunft des Vaters die ungarische Staatsbürgerschaft. Ende der zwanziger Jahre zog die Familie in das Waldstrassenviertel.

Vater Max Kralovitz ging Mitte der 30er Jahre nach Budapest, um für die Familie eine neue Existenz zu schaffen. Da sich die rasch wechselnden ungarischen Regierungen gegenüber Deutschland „opportunistisch neutral“ verhielten, war die Familie Kralovitz, als ausländische Juden registriert, vorerst vor Übergriffen der SA und den ersten Deportationen geschützt. Doch eine Ausreise nach Ungarn sollte nicht gelingen.

Martha Kralovitz war eine musisch sehr interessierte Frau. Sie sang im Synagogenchor der liberalen Gemeinde in der Gottschedstraße und besuchte sehr oft Aufführungen in der Oper. Mit einigen Ensemblemitgliedern des „Kleinen Theaters“ in der Elsterstraße war sie eng befreundet. Mancher hat die Familie in den Zeiten der Ausgrenzung unterstützt.

Annemarie Kralovitz konnte sehr gut zeichnen und voller Stolz schrieb sie an ihre Tante in New York, dass sie schon 87 Bücher besitzt. Von denen profitierte natürlich auch der kleinere Bruder Rolf.

Wahrscheinlich hat die nicht gelungene Flucht der Familie nach Ungarn zumindest Rolf Kralovitz das Leben gerettet, denn mit der deutschen Besetzung Ungarns im März 1944 wurden die ungarischen Juden in die Vernichtungslager deportiert. So auch Max Kralovitz (53 Jahre), der im Sommer 1944 in Budapest verhaftet und nach Auschwitz verschleppt wurde. Dort ist er ermordet worden.

Martha Kralovitz musste mit ihren Kindern Ende 1940 die Wohnung in der Fregestraße verlassen und ebenfalls in eines der „Häuser“ ziehen. Annemarie war Kindergärtnerin und arbeitete im jüdischen Kindergarten in der Leibnizstraße. Am 11.10.1943 kam die Gestapo und verhaftete alle drei.

Einen Tag später wurden die beiden Frauen nach Ravensbrück verschleppt. Annemarie betreute auch noch im KZ Ravensbrück die dort inhaftierten Kinder.

Rolf Kralovitz brachte die Gestapo in das KZ Buchenwald.

Annemarie Kralovitz (22 Jahre) wurde im Oktober 1944 auf einen Todestransport geschickt. Ihre Gesundheit war derart angegriffen, dass die Nazis sie mit einem Invalidentransport in die Gaskammern von Auschwitz schickten. Martha Kralovitz (56 Jahre) ist Anfang 1945 im KZ Ravensbrück ermordet worden.

 

Rolf Kralovitz überlebte das KZ Buchenwald. Er starb am 21. Juni 2015 in Köln.