Chaim Lazar Gersten

Chaim Lazar Gersten wurde am 7.August 1893 in Lancut (Russ.-Polen) geboren. Schon vor dem Ersten Weltkrieg wohnte er in Berlin. Der Kriegsfreiwillige ging nach dem Krieg nach Königsberg. 1920 lernte er die Leipzigerin Rosa Künstlinger kennen und gründete hier eine eigene Firma in der Rauchwarenbranche. Beide heirateten 1922 und aus der Ehe gingen Abraham (1923) und Hadassa (1925) hervor.

Als polnisch jüdische Familie kamen die Gerstens noch um die erste Ausweisungswelle im Oktober 1938 herum. Während der Vater schon im Januar 1939 Leipzig fluchtartig verlassen musste, nachdem er vor laufenden Ermittlungen der Gestapo gewarnt worden war, bekam der Rest der Familie im Mai 1939 den Ausweisungsbescheid. Am 4. Juli 1939 verließen die Ehefrau und die Tochter Leipzig, während Abraham bereits zuvor mit einem Kindertransport nach London gelangte. Als polnische Staatsbürger blieb Polen die einzige Zufluchtsmöglichkeit. Mit dem Handel von Pelzwaren zwischen London und Warschau versuchte Chaim Lazar Gersten nun genug Geld zur Finanzierung der Ausreise der Familie in die USA aufzubringen.

Mit einem Besuchervisum gelang Mutter und Tochter noch vor Ausbruch des Krieges die Ausreise nach London.

Mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen teilte Chaim Lazar Gersten das Schicksal tausender jüdischer Leidensgenossen. Dem menschenunwürdigen Leben im Warschauer Ghetto folgte die Deportation in eines der Vernichtungslager, wahrscheinlich Treblinka. Ein letztes Lebenszeichen stammt vom 20. Januar 1943, als er vom Ghetto nach Treblinka deportiert wurde, wie eine Augenzeugin der Ehefrau in einem Brief mitteilte. Das weitere Schicksal von Chaim Lazar Gersten (49 Jahre) ist unbekannt.

Das Oberste Gericht Englands hat auf Antrag der Ehefrau schließlich den 20. Januar 1943 als Todestag festgelegt.